Turnverein Bergheim/Sieg

Übungsstunden Abteilung Basketball

Männer ab 16 J. (Makris)
Do 20-22 h / Siegauenhalle

Basketball im TVB - Eine persönliche Rückschau

Der Turnverein Bergheim blickt in diesem Jahr auf eine hundertjährige Vereinsgeschichte zurück. Ein Viertel (und ein bisschen mehr) dieser Zeit gehen nun auch schon auf mein Mitgliedschaftskonto. Von Kindesbeinen an mit dem Verein in diversen Turngruppen groß geworden, begeisterte mich als Jugendlicher die aus Amerika stammende Ballsportart Basketball. Trotz verschiedener Abstecher in andere Sportarten (Tischtennis, Fußball, Badminton) zog mich Basketball immer wieder in seinen Bann, und so ist es bis heute geblieben. 

18 Jahre voller Höhen und Tiefen, voller verletzungsbedingter Rückschläge, voller Demotivation und Frust, aber vor allem voller Freude, Freundschaften und Begeisterung an diesem Mannschaftssport. 18 Jahre, in denen mich Basketball immer wieder neu motiviert hat, nicht zuletzt durch geschätzte Kollegen und Freunde, die über Jahre hinweg dem Sport treu geblieben sind. 18 Jahre Basketball im Turnverein Bergheim sollen in diesem Bericht ein wenig näher beleuchtet werden.

Die Anfänge: sei kein Frosch – spiel Basketball

Soweit ich mich erinnern kann, stand das wöchentlich stattfindende Training zunächst unter der Leitung unseres Vorstandsmitgliedes Frank Wieland. Er brachte uns die Grundlagen und Regeln bei, die den Grundstein für unser heutiges Können legten. Im Herbst 1991 übernahm Reinhold Becker das Training, ein ehemaliger Profi-Spieler mit charismatischer Ausstrahlung. Er konnte uns mit seiner Spiel- und Lebenserfahrung, die er in der 2. Basketball-Bundesliga gesammelt hatte, so manchen Trick mit auf den Weg geben. Einige seiner Anekdoten sind unvergessen, so die witzige Geschichte über den Zahn, den er in einem wichtigen Bundesligaspiel verlor.

1992 schrieb Reinhold Becker im TV Aktuell: „Seit dem 8. November 1991 findet für die männlichen Jugendlichen wieder regelmäßig freitags um 17:00 Uhr das Basketballtraining statt. Für einen Rückblick ist die Zeitspanne sicherlich zu kurz. Doch zeigt sich jetzt schon, dass es auch in Bergheim einige ´Ballkünstler´ gibt, die im wahrsten Sinn des Wortes ´hoch´ hinaus wollen. Ehrgeiz und Trainingsbeteiligung jedenfalls lassen kaum zu wünschen übrig. Problematisch aus Trainersicht ist lediglich die große Altersspanne der Gruppe – von 9 bis 15 Jahren -, die ein gezieltes Training erschwert. Hier bleibt zu hoffen, dass noch mehr Kinder und Jugendliche den Weg zur Halle finden, damit die Gruppe in zwei leistungshomogene Teams aufgeteilt werden kann.“ 

Ein Jahr später waren im TV Aktuell folgende Zeilen zu lesen: „Spätestens seit der Olympiade 1992 hat der Basketballsport sein ´Dream Team´. Da es jedoch zu beschwerlich ist, die Stars in den USA zu bewundern, können Basketballfreunde auch den Weg in die Turnhalle an der Markusstraße wagen und das Bergheimer ´Dream Team' beobachten. Noch besser wäre es natürlich, selbst mitzumachen. Wer Lust hat, sich von Clemens, David, Jürgen, Martin, Mike, Reinhard, Sebastian, Thomas, Simon, Uli, Wolfgang und den anderen die notwendigen Tricks abzuschauen, der ist herzlich eingeladen, freitags um 17:00 Uhr einen Blick in die Turnhalle zu werfen.“ Und es fanden sich im Laufe der Jahre eine Menge Jugendliche und mittlerweile gestandene junge Männer, die mit viel Spaß und Ehrgeiz auf Korbjagd gehen. 

Als 1994 Reinhold Becker aus persönlichen Gründen die Basketballabteilung abgab, übernahmen mein Freund Simon Hörstmann und ich die Leitung. Damit konnte Basketball nun zweimal in der Woche angeboten werden, was sich bis heute nicht geändert hat. Zur damaligen Zeit erlebten wir einen erheblichen Mitgliederandrang. Zeitweise fanden bis zu 23 Leute den Weg in die Sporthalle. In Anlehnung an unser Bergheimer Wappentier lautete 1995 die Überschrift im TV Aktuell: "sei kein Frosch, spiel Basketball".

Die mageren Jahre: vom „Frosch zum Freak“

Die Mitgliederzahl nahm im Laufe der folgenden Jahre dann kontinuierlich ab. Das Interesse an Sport im Allgemeinen und Basketball im Speziellen schien bei den Jugendlichen verloren gegangen zu sein. Die Gruppe wurde überschaubar, es blieb nur ein harter Kern von sechs bis acht Leuten. 

Am 12. September 1996 fand ein Freundschaftsspiel gegen die Mannschaft aus Troisdorf-Sieglar statt, wir verloren mit hohem Punkteunterschied. Schonungslos wurden unsere Schwächen aufgezeigt, unser Spielniveau war einfach zu niedrig. Das sollte sich im Verlauf der nächsten Jahre deutlich ändern. Ein persönliches, besonders erwähnenswertes Erlebnis aus dieser Zeit war die Teilnahme an einem Fortbildungslehrgang im September 1997, der unter dem Motto „Spiel doch Basketball“ stand. Die dort erlernten Fertigkeiten, Spiel- und Übungsformen zum Werfen, Passen, Dribbeln und Fangen, wurden in den Wochen und Monaten danach rege angewendet. 

Die Renaissance: Bälle, Bandagen und Bunter Rasen

In den Jahren um die Jahrtausendwende formierte sich die Abteilung Basketball neu. In der Regionalpresse geschaltete Anzeigen führten zu einem Mitgliederzuwachs. Einige erfahrene Spieler aus anderen Mannschaften brachten neuen Schwung und neue Ideen. Basketball in Bergheim war wieder „in“. Das Wort von der „Bergheimer Spielweise“ mit ihren ganz eigenen Regeln und Gesetzen machte die Runde. 2004 stieß eine komplette Gruppe indischer Basketballer aus dem Bonner Raum zu uns. In den folgenden Jahren kam es daher regelmäßig zu internationalen Spielbegegnungen zwischen den „Indern“, unseren neuen treuen Freunden, und den „Bergheimer Jungs“. Das Spielniveau nahm deutlich zu. Spielsysteme wurden erlernt und angewendet. Über Jahre erlernte Fertigkeiten und Fähigkeiten zeigten Wirkung. 

Dennoch stand und steht der Spaß am Spiel weiterhin im Vordergrund. Dazu eine besonders gelungene Passage aus dem TV Aktuell 2005, in der mein geschätzter Kollege Thomas den wöchentlichen Trainingsbetrieb beleuchtet: „Bei uns geht es natürlich in erster Linie um den Sport! Meist geht es hart zur Sache. Bis an die Grenzen des Erlaubten. Aber wir wollen halt alle gewinnen. Wir haben alle diese Liebe für das (Basketball)-Spiel. Das Erstaunliche allerdings ist die Chemie nach dem Sport. Hier wird einem der ein oder andere Faustschlag mit einem Lächeln verziehen, gedehnte Bänder oder Prellungen werden liebevoll mit Eisspray behandelt. Doch worauf ich eigentlich heraus möchte ist: nach dem Sport haben wir alle diese Liebe für unsere Mitspieler. Und genau das macht die Basketballabteilung so wertvoll. Viele unterschiedliche junge Menschen aus den letzen Winkeln unserer Welt, mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften und unterschiedlichen Erfahrungen kommen zusammen und haben einfach eine gute Zeit zusammen! Ganz simpel ausgedrückt ist diese ‚gute Zeit‘ eine sehr wertvolle Sache.“

Regelmäßig stellten wir unser Können auf den vom Verein veranstalteten Präsentationstagen „Bunter Rasen“ der Öffentlichkeit vor. „Showeinlagen“ begeisterten so manchen Basketball-Laien, und bei zwei Veranstaltungen fanden sogar Spielbegegnungen zwischen einer Zuschauerauswahl und uns Basketballern statt. 

Krise oder Aufschwung: Die Zukunft des Bergheimer Basketballs

Basketball in Bergheim ist mittlerweile weit über die Grenzen von Troisdorf hinaus bekannt und beliebt. Die Aufnahme einer Mannschaft für die Kreisliga im Westdeutschen Basketball-Bund hätte den Bergheimer Basketball im Jahre 2005 sogar innerhalb der Grenzen von NRW bekannt gemacht. Die Nennung kam aus diversen Gründen allerdings nie zustande. Inzwischen reisen die meisten Spieler von außerhalb an. Persönliche Veränderungen verstreuen die Mitglieder in der ganzen Welt, so geschehen bei unserem Kollegen Thomas. Einmal reiste er aus exakt 9230 km Entfernung an (Tokio – Bergheim). 

Der Zusammenhalt des „harten Kerns“ ist nach wie vor ungebrochen. In mehr oder minder regelmäßigen Abständen treffen wir uns außerhalb der Sporthalle, unlängst zu einer Weihnachtsfeier im Bergheimer China-Restaurant.

Dennoch ist es wie in der Wirtschaft, der Politik und anderen Lebensbereichen: die Zukunft des Bergheimer Basketballs ist ungewiss. Ortswechsel, persönliche Entwicklungen und berufliche Veränderungen der Mitglieder und des Übungsleiters könnten die Abteilung in naher Zukunft scheitern lassen. Neue junge Menschen müssen motiviert und für diesen einzigartigen Mannschaftssport begeistert werden, damit es in vielen Jahren und Jahrzehnten immer noch heißt: Basketball in Bergheim ist „in“. Ich wünsche denen, die mich über die Jahre sportlich begleitet haben, alles erdenklich Gute und allen ein schönes Jubiläumsjahr 2009.

Jürgen Schell

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