Turnverein Bergheim/Sieg

Übungsstunden Abteilung Volleyball

Mixed ab 18 J.(Frost)
Di 20.00-22 h / Siegauenhalle

40 Jahre Volleyball im TV Bergheim

Die Anfänge

Winter 1968/69: In Bergheim wohnten seinerzeit die Brüder Hans und Walter Markert, beide Studenten und bei Helios Köln aktive Zweitligavolleyballer. Sie brachten den neuen Sport als Trainer nach Bergheim. Weitere Initiatoren waren Hartmut Engels als erster Volleyball-Fachwart und Siegfried Klingshirn. An dieser Stelle sei dem damaligen Oberturnwart Wilhelm Buschmann besonderer Dank gewidmet. Schon damals setzte er sich für innovative Wege in dem auf Tradition bedachten Turnverein ein und unterstützte die neu geschaffene Sparte.

Schnell taten sich eine Gruppe Turner, einige ehemalige Fußballer des SV Bergheim sowie interessierte junge Leute zusammen, um die technisch schwierige Sportart Volleyball zu erlernen. Die Anmeldung beim Volleyballverband erfolgte im Frühjahr 1969, als erster Verein überhaupt im damaligen rechtsrheinischen Siegkreis. Die erste Meisterschaftssaison startete im Herbst 1969 mit Ausnahmegenehmigung für die Nutzung der viel zu kleinen Halle am Paul-Schürmann-Platz. Der erste Sieg gelang am letzten Spieltag.

In den Folgejahren etablierte sich die Mannschaft in der Bezirksklasse, zu dieser Zeit unterste Spielklasse im Volleyball-Verband. Aktiv waren u. a. Helmut Giese, Siegfried Klingshirn, Ulrich Oschem, Dieter Scholing und Heiner Droste; bis in die heutige Zeit hinein haben sie die Vorstandsarbeit des TV Bergheim entscheidend mitgeprägt.

Olympia 1972 in München und der Boom

Die Teilnahme der deutschen Volleyballmannschaft an der Olympiade und die Übertragung von mitreißenden Spielen lösten einen ungeahnten Boom im deutschen Volleyball aus. Nahezu jeder größere Sportverein gründete eine Volleyballabteilung, es entstanden in kurzer Zeit Spielklassenstrukturen wie im Fußball. Auch der TV Bergheim verzeichnete einen entsprechenden Zulauf und richtete eine zweite Herrenmannschaft ein. 

Diese aus 17 bis 20 Jahre alten Spielern bestehende neue Mannschaft startete 1973/74 in der Kreisliga und belegte vor dem letzten Spieltag Platz zwei. Gegner am letzten Spieltag war der Spitzenreiter BSV Roleber, der überraschend eine Woche vorher sein erstes Spiel verlor und nun punktgleich mit Bergheim in die letzte Runde ging. In einem dramatischen Spiel bei einem völlig überforderten Schiedsrichter und einem 0:2 Satzrückstand konnte der TV Bergheim das Blatt noch wenden und am 31.03.1974 die erste Meisterschaft nach Bergheim holen.

Mit der Meisterschaft verbunden war der Aufstieg der II. Mannschaft in die Bezirksklasse zur dort spielenden I. Mannschaft. Gleich am ersten Spieltag kam es zum lang ersehnten Aufeinandertreffen beider Teams: Die jungen Wilden fertigten die alten Herren klar mit 3:0 ab. 

In den Folgejahren konnte die junge Truppe unter ihrem Spielertrainer Walter Markert bis in die Bezirksliga aufsteigen. Zusätzlich wurde eine dritte Herrenmannschaft geschaffen.

Zu Beginn der 70er Jahre bestand zeitweise auch eine Damenmannschaft, die jedoch bald wieder aufgelöst wurde. Erfolgreicher war einige Jahre später ein Neustart der Damen, trainiert von eigenen Kräften wie Rudi Stelter, Albert Wollersheim und später Reinhard Frost. Gespielt wurde als A-Jugendmannschaft auf Verbandsebene und parallel dazu in Senioren-Meisterschaftsrunden. Dort gelang den Mädels 1977 der Aufstieg in die Bezirksklasse.

TV Bergheim international

Schon in den früheren 70er Jahren knüpften die Volleyballer Kontakte zu den in Spich angesiedelten belgischen Militärangehörigen und zu Mannschaften in Holland. Wir richteten „internationale Troisdorfer Stadtmeisterschaften“ unter Beteiligung ausländischer Gäste aus und besuchten über Jahre hin Turniere in den angrenzenden Nachbarländern. Eine große Anzahl Pokale zierte die Vereinsgaststätte Weis. 

Der weiteste Weg führte einmal an die belgische Kanalküste in die Nähe von Antwerpen. Allerdings war die Mannschaft nicht vollzählig und musste auf einen mitgereisten Fan zurückgreifen, der in Zivilklamotten sein erstes Spiel für den TVB machte. Schon vor dem Frühstück waren wir ausgeschieden; Trostpreis war eine Kachel mit Emblem des Ausrichters. Der Begeisterung tat dies jedoch keinen Abbruch.

Eine weitere nette Begebenheit trug sich in Luxemburg zu: Die Plakate im Zielort kündeten von einer großen sportlichen Veranstaltung: Acht Teilnehmer waren aufgelistet, darunter Aris Luxemburg, US Amsterdam, Servette Genf, Nationalteam Saudi Arabien und TV Bergheim. Des Rätsels Lösung zeigte sich am Turniertag: Durch einen Meldefehler war die Mannschaft des TVB der höchsten Leistungsklasse zugeteilt. Doch das Team schlug sich sensationell. Mit einem Vorrundensieg und einer glücklichen Tabellenkonstellation erreichten wir sogar das Halbfinale und wurden achtbarer Vierter.

Die 80er Jahre - Erfolge und Rückschritte

Aus der Bezirksliga mussten die Bergheimer Herren 1979 nach nur einjähriger Zugehörigkeit wieder absteigen. Es sollte der einzige reguläre Abstieg in der 40-jährigen Abteilungsgeschichte bleiben. Freiwillig gab man 1980 nochmals eine Klasse auf, um die drei Herrenmannschaften neu zu formieren und einen Neubeginn zu starten. Das Spieljahr 1980/81 wurde dann zum erfolgreichsten Jahr der Volleyballer. Die III. Mannschaft spielte in der II. Kreisklasse, die zweite wurde Meister in der I. Kreisklasse und die erste Mannschaft ungeschlagen mit 44:0 Punkten Meister in der Kreisliga. Ein Rekord für die Ewigkeit, da in der Folgezeit die Staffeln auf Kreisebene hinsichtlich der Anzahl teilnehmender Mannschaften deutlich reduziert wurden. Im gleichen Jahr wurde das Team zusätzlich Kreispokalsieger und konnte dabei fünf höherklassige Teams hinter sich lassen.

Dann machten sich jedoch die begrenzten Möglichkeiten in Bergheim bemerkbar. Es fehlte an Nachwuchs und Hallenkapazitäten. Die Schulzentren in den benachbarten Orten Sieglar, Troisdorf und später auch Mondorf erhielten moderne Mehrfachhallen und boten den dort ansässigen Vereinen wesentlich bessere strukturelle Grundlagen. Dies führte letztlich zum Weggang des einen oder anderen Bergheimer Stammspielers. Auch Walter Markert verließ den Verein, nachdem er schon lange nicht mehr in Bergheim wohnte.

Mit zwei Herrenmannschaften nahm der TVB in den Folgejahren mit wechselndem Erfolg an den Meisterschaftsrunden teil. 1988 konnte noch einmal ein zweiter Platz in der Bezirksklasse erreicht werden. Das Aufstiegspiel gegen den FSB Bonn ging knapp mit 14:16 im Entscheidungssatz verloren. Im gleichen Jahr konnten wir sowohl in Troisdorf, wie auch mit einem Teil des Teams in Niederkassel Stadtmeister werden.

Die „Legende Bergheim“ in den 90er Jahren

1989 löste sich die in der Bezirksklasse spielende erste Herrenmannschaft auf. Neu formiert hatte sich eine zweite Mannschaft, deren Stamm sich im wesentlichen aus der 1974er Meistermannschaft zusammensetzte. Inzwischen in die Jahre gekommen, wurde das Team Kreisklassenmeister und spielte ab 1990 als alleiniger Bergheimer Vertreter im Volleyball-Verband. Es folgten drei Kreisligameisterschaften hintereinander; aufsteigen wollte man nicht mehr, hatten doch Familie und Beruf eindeutig Vorrang vor dem Sport. Die in den achtziger Jahren abgewanderten Spieler kehrten zurück, so dass noch lange eine schlagkräftige Truppe zusammen blieb.

Die Gegner, meist Nachwuchsteams der größeren Vereine aus dem Kreisgebiet, wurden mit Routine und Geschick zur Verzweiflung gebracht. Schiedsrichter hatten angesichts des Erfahrungsschatzes von vornherein einen schweren Stand. Nach dritten und vierten Plätzen in den Folgejahren beschloss man 1997, sich aus den Meisterschaftsrunden zurückzuziehen. Der älteste Spieler war 59 Jahre alt geworden, das Durchschnittsalter der Truppe lag bei über 45 Jahren. Als Tabellenvierter ging es 1997 in den letzten Spieltag. Zu Gast hatten wir die beiden Tabellennachbarn. Beide wurden mit 3:0 abgefertigt, so dass zum Abschluss noch einmal ein dritter Platz zu Buche stand, der zum Aufstieg in die Bezirksklasse gereicht hätte. Vom Aufstiegsrecht profitierte der TuS Mondorf.

Volleyball 2009

Wie hat sich der Sport verändert: Volleyball ist nicht mehr „in“, andere Trendsportarten gewinnen die Oberhand. Die Strukturen im Verbandsspielbetrieb haben sich fast auf den Stand Anfang der 70er Jahre zurückgebildet. Bezirksklasse ist weitgehend unterste Spielklasse. Daran hat auch die nach 1972 erstmalige Teilnahme der deutschen Volleyball-Herren bei Olympia in Peking nicht viel geändert. In den deutschen Medien war von Volleyball nicht viel zu sehen.

Seit vielen Jahren gewinnt der Hobbyspielbetrieb, organisiert auf Kreisebene, deutlich an Zulauf. So nahm auch der TV Bergheim mit einer Mixed- Mannschaft seit Mitte der achtziger Jahre am Spielbetrieb teil. 1995/96 schloss man eine Spielgemeinschaft mit der SpVgg Lülsdorf/Ranzel und startete einige Jahre unter der Bezeichnung „BeLüRa“. Aufstiege bis zur höchsten Leistungsklasse wurden erreicht. Aber auch diese Mannschaft löste sich wieder auf, vereinigte sich 2001 mit dem verbliebenen Rest der alten Herren und bildet bis zur heutigen Zeit eine reine Trainingsgruppe. 

Zu besonderen Anlässen, wie Jubiläen oder Einladungen befreundeter Vereine, tritt auch die frühere Herrenmannschaft noch in Erscheinung. Sie können es immer noch: Seit 1997 ist „die Legende“ unbesiegt...

Reinhard Frost

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