Turnverein Bergheim/Sieg

TV Bergheim ehrt Josef Boss für 80 Jahre Mitgliedschaft

Kürzlich feierte Josef Boss einen ganz besonderen runden Geburtstag. Nicht irgendeinen, sondern einen eher seltenen, den Neunzigsten, nämlich!

Es gibt nicht viele ältere Menschen in Bergheim und Umgebung, die ihn, der Jahrzehnte lang sehr erfolgreich und angesehen als Geschäftsmann und ehrenamtlicher Ortsvorsteher gewirkt hat, nicht kennen. Entsprechend viele Mitbürger haben gratuliert!

Doch auch noch etwas anderes hat den Vorstand vom Turnverein 1909 Bergheim/Sieg e.V. bewogen, mit einer kleinen Delegation extra vorzusprechen. Und ganz besonders laut „Danke!“ zu sagen: Seit nunmehr 80 Jahren (in Worten: A-c-h-t-z-i-g Jahre!) ist Josef Boss Mitglied dieses Vereins, der vor wenigen Jahren seinen hundertsten Geburtstag groß feiern durfte. Die Rechnung stimmt: Als der zehnjährige Klein-Josef von seinem Lehrer Paul Schürmann, wie fast alle seiner Sportsfreunde, eindringlich auf den hohen Wert regelmäßiger Körperertüchtigung hingewiesen wurde, in den TVB eintrat und von Michael Wipperfürth unter die Fittiche genommen wurde, war auch der Verein gerade erst 25 Jahre alt. Wie dem auch sei: Jedenfalls haben sich die Bergheimer „jungen Wilden“ im sportlichen Wettkampf mit ihren Altersgenossen in Oberlar, Sieglar und wer weiß noch wo, nicht schlecht geschlagen!

Eine derartige Karriere in punkto Kontinuität und Vereinstreue sucht heutzutage (wohl vergeblich!) seinesgleichen!

Hier nur einige Stichpunkte aus dem hochinteressanten und lebhaften Gespräch über frühere sportliche Ereignisse in Bergheim. Wussten Sie, lieber Leser, dass

  • in früheren Jahren die Jugendlichen der beiden großen Bergheimer Vereine TVB und SVB oft gemeinsam, ob in der Halle oder auf dem alten Sportplatz draußen, gemeinsam trainierten?

  • Der TVB in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhunderts mit dem örtlichen Kanu-Club gemeinsam Regatta-Fahrten nicht nur im Rhein/Sieg-Bereich, sondern auch z. B. am Baldeneysee in Essen fuhr? Wohin man dann mit Sack und Pack, und natürlich vor allem mit den 2-er und 4-er Kajaks, loszog?

  • aus manchen Rangeleien (um was wohl, oder besser: um wen wohl? - um die Mädchen natürlich!) der Jugend bei den jeweiligen örtlichen Kirmes-Veranstaltungen manchmal bitterer Ernst zu werden drohte. Besonders das „gut-geschwisterliche“ Verhältnis zwischen den Buben aus Bergheim und Mondorf spielte da eine Rolle!

  • usw.

Die Besuchszeit verging wie im Fluge. Doch auch grundsätzliche und ernstere Themen blieben nicht ausgespart. Die altersbedingten Schwierigkeiten mit der eigenen Mobilität. Aber auch die Erinnerung an seine zu früh verstorbene Ehefrau Walburga, geborene Billig. Mit welcher Josef einst im Jahre 1946 das Mai-Königspaar in Bergheim stellte. Woraufhin, auch damals schon nicht untypisch, im Jahr darauf die Hochzeitsglocken läuteten. Und sich dann viele glückliche gemeinsame Jahre anschlossen.

Der Start in die berufliche Selbstständigkeit war kein Honigschlecken. Josef erzählt: „Aufstehen um 2 Uhr in aller Früh, „Milchtanken“ in der Molkerei Hennef, Verteilung an die Verkaufsstellen im Umfeld. Anschließend die zweite Tour: Abholung der neu produzierten Milch bei den Bauern in der Region, Ablieferung wieder in Hennef - und so Tag für Tag, gut 31 Jahre lang“

Kein Wunder, wenn dann irgendwann später die Knochen nicht mehr mitmachen wollten!

Dann war da der tragische Unfall-Tod eines Sohnes. Nur der Zwang, nicht auch noch selbst ausfallen zu dürfen, hält dann aufrecht. Bis die Betriebsübergabe an den zweiten Sohn erfolgen konnte.

Doch auch als „Seniorchef“ kann Josef Boss nicht untätig bleiben. Als erfahrenes „Stammesmitglied“ eines der noch präsenten 9 Mitglied-Stämmen der Fischereibruderschaft Bergheim, noch dazu als deren Ehrenvorsitzender, sind sein Rat und sein Erinnerungsvermögen immer gefragt. Gerne denkt er auch an die aufwändige und bundesweit beachtete Groß-Veranstaltung 1987 anlässlich des 1000-jährigen Bestehens der Bruderschaft, die er an vorderster Front mit gestaltet hat. Das ist in der Tat lange her. Die Folgeveranstaltung ein Viertel- Jahrhundert später, liegt auch schon wieder 3 Jahre zurück!

Was vom TVB-Vorstand Dieter Wieland und vom TVB-Ältestenrat Jochen Köster aus diesem Gespräch klar vor Augen geführt wurde:

Wer es schafft, wie Josef Boss sich nicht von Schicksalsschlägen deprimieren zu lassen, sondern sich lieber an das Gute und Schöne im Leben erinnert, die Ärmel hochkrempelt und angstfrei dem Kommenden ins Auge schaut – der findet auch noch Lebensfreude im hohen Alter.

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